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Formatierung [analog]


Aktion: Formatierung [analog]

Wann: 23. September, 14 Uhr
Wo: Künstlerhaus Kempten, 1. Stock, Spiegelraum

eingeladene Gäste:

Presse: (Allgäuer Zeitung)
Klaus-Peter Mayr
Michael Dumler
Jörg Schollenbruch
Ralf Lienert

Kunst: Winfried Becker, BBK
Recht: Stephan Thomae (Anwalt)
Zeugen: Chris Lakriz, Naughty, TC
Film: Daniel Munding


Gedanken zur Werkgruppe der "Analogien"
Früher bereicherten gesammelte Daten unseren individuellen Alltag in Form von Fotos, Aufzeichnungen und Zeitungsausschnitten, die - bedingt durch ihre analoge Form - klaren Auswahlkriterien unterworfen waren. Jeder Fotoabzug kostete Geld, was sicherlich ein effektives Merkmal bezüglich der Relevanz des Motivs gewesen ist. Zeitungsausschnitte wurden sorgfältig ausgewählt und nicht selten mit Informationen wie dem Erscheinungsdatum versehen. Daten wurden in Notizbüchern oder Fotoalben gesammelt und konnten mit einhergehenden Qualitätseinbußen nur begrenzt vervielfältigt werden.

Der große Aufwand, der früher für die Bewahrung analoger Daten in Form von Fotoalben, Notizbüchern oder Aktenmappen notwendig war, impliziert, dass für die Bewahrung wohl triftige Gründe vorgelegen sind. Mit wachsendem Schwinden der Kenntnis um diesbezügliche Motivation wanderten diese Daten in der Regel in Keller, in Schränke, auf Dachböden. Im Moment völliger Unkenntnis um die Relevanz des Sammelns landeten die Datenträger in eingegrenzter regionaler Streuung auf Flohmärkten, in Antiquariaten oder einfach im Müll.

Im Zeitalter digitaler Verfügbarkeit und global-gleichzeitigem Datenzugriffs wirken sich im Zusammenhang mit Daten nun zugleich verschiedene Faktoren in ihrer einzigartigen Struktur wie auch im Zusammenspiel gravierend auf die analoge und die digitale Informationsgesellschaft aus:

- zeitunabhängige digitale Verwaltung des Analogen
- ortunabhängige Digitalisierung des Analogen
- verlustfreie Vervielfältigung des Digitalen

Der völlig unbedarfte Umgang mit Daten aller Art, ob als Aufzeichnungen, Fotos oder Bits kombiniert mit der Gier, beim Versilbern von Vergangenheit mit der Neugier der Gesellschaft zu rechnen, streut Daten wie eine permanente Explosion in die Welt. Eine selbstverfasste Ansichtskarte von gestern ist vielleicht schon jetzt ein Objekt der Begierde von morgen.

Die Komplexität dieses Wechselspiels ist in den Medien allerdings nur in Form von Skandalen und Forderungen zu spüren. Als Individuen der Informationsgesellschaft liegt es aber an uns selbst, welche Ethik im Umgang mit Daten gelten soll.

Gedanken zur Aktion "Formatierung [analog]"

Der florierende Handel mit Datenträgern digitaler Daten sorgt seit geraumer Zeit in den Medien wiederholt für Skandale. Dabei werden in Online-Auktionsportalen nicht nur unformatierte Datenträger digitaler Daten angeboten, sondern wie beim Beispiel privater Fotoalben im übertragenen Sinne auch unformatierte Datenträger analoger Daten. Die Verkettung der Umstände, die diese Alben plötzlich für die ganze Welt erwerbbar machen, wäre zwar interessant zu recherchieren, wichtiger erscheint jedoch die Frage, ob die in diesen Alben gezeigten Personen mit diesem kuriosen Sachverhalt und daraus resultierenden Konsequenzen unerlaubter Verfügbarkeit einverstanden wären. (Die Würde des Menschen ist unantastbar)

Legal und handelsüblich mit 120 Euro Höchstgebot als antiquarischer, wieder verwendbarer Datenträger erworben, wird das Objekt "Fotoalbum junger Mann, wenig Militär, Kriebstein", Entstehungsjahr 1938, von mir nachträglich formatiert:

1) Sämtliche enthaltenen Fotografien werden aus den Fotoecken genommen.
2) Aufnahmen von Privatpersonen werden zum Schutz der Privatsphäre vernichtet
3) historische Aufnahmen von Gebäuden werden verschont
4) die gesamte Aktion wird als Stummfilm dokumentiert
5) alle Komponenten des Formatierungsvorganges werden bewahrt