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Social-Art Aktionen


Datenrückgewinnung [analog]
Datenaufbereitung [digital]

Datenrückgewinnung [analog] und Datenaufbereitung [digital] sind zwei Aktionen aus der Werkphase der "Analogien", zu der auch die jüngst erfolgte Aktion Formatierung [analog] gehört.

In den letzten Jahren haben sich digitale Marktplätze wie Ebay weitestgehend als allgemein genutzte Handelsplattformen etabliert. Dies führt erstmals zur Situation, dass Artikel nicht mehr nur einem begrenzten Interessentenkreis angeboten werden, sondern plötzlich die Option im Raum steht, dass jederzeit attraktive Güter zu erwerben sein könnten.

Durch die zeitliche Befristung und gleichzeitige Fülle der Angebote entsteht die groteske Situation, dass einzelne Objekte, die für manche Institutionen als wichtige Sammlerstücke gelten, an Höchstbietende veräußert werden, die diese Güter gar nicht richtig zu schätzen wissen. Die Spur solcher Objekte taucht dann nur kurz während der Angebotsphase auf, verharrt einige Wochen in den Suchmaschinen und verschwindet wieder. So stößt man bei Suchmaschinen-Recherchen durchaus nicht selten auf bereits abgelaufene Auktionen, das plötzliche Objekt der Begierde ist schon an "Unbekannt" veräußert.

Für Datenrückgewinnung [analog] wurden nun von Christian Hof verschiedene Gegenstände bei Ebay aufgespürt, die für Allgemeinheit wie Veräußerer scheinbar keinen Wert besitzen und doch für die richtigen Zielpersonen etwas Besonderes darstellen. Das eigene Wissen um die Vorlieben anderer erzeugt plötzlich mögliche Vernetzungen, die andernfalls gar nicht entstehen würden.

So wurde beispielsweise für die Brauerei Zötler eine sehr alte Biermarke (Adler Brauerei) erworben, für Edelweiss die Fotonegativplatte zu einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1950. Im Rahmen der Online-Recherchen tauchte auch eine Tuschezeichnung von Adolf Hengeler aus dem Jahr 1899 auf, die der Künstler sofort für die Stadt Kempten ersteigert hat. Sie wird der Stadt als Schenkung übereignet.

In allen drei Recherche- und Ersteigerungsprozessen spiegelt sich die aufmerksame Auseinandersetzung mit der traditionellen Identität regionaler Träger sowie in der jeweiligen verantwortungsbewußten Beziehung Hofs zu diesen Unternehmen bzw. Institutionen.

Der Umstand, dass bei den Recherchen zu Adolf Henger dessen Eintrag bei Wikipedia als nicht relevant entdeckt wurde, was die Informationen als potentiell löschbar einstuft, hat Hof dazu veranlaßt, sich dort als Autor anzumelden, die fehlenden Informationen und Bilder beim Kulturamt anzufragen und die Daten entsprechend den Anforderungen aufzubereiten, um den kulturellen Wert Hengelers für die Region Kempten auch im digitalen Abbild unserer Informationswelt zu etablieren.

Heute sind wir als Gesellschaft einerseits mit einer wachsenden Gleichzeitigkeit von Ereignissen und andererseits mit sinkenden Resourcen hinsichtlich derer Bewältigung konfrontiert. In dieser Situation hilft es nicht mehr, Leistungen und Reaktionen nur starr einzufordern. Handlungsspielraum kann nur noch durch die effiziente Vernetzung unserer eigenen Resourcen zum Wohle der Allgemeinheit entstehen.

Dies gilt in meinen Augen vor allem in Form von Eigeninitiative und Ehrenamt für die so wichtigen Bereiche Kultur und Bildung. Um diesem Denkansatz möglichst Gewicht zu verleihen, habe ich als Künstler Datenrückgewinnung [analog] und Datenaufbereitung [digital] innerhalb meines Werkprozesses als SocialArt-Aktionen definiert, gemäß der Theorie der "Sozialen Plastik" von Joseph Beuys, die besagt, jeder Mensch könne durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch plastizierend auf die Gesellschaft einwirken.