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Wer nicht den Aufzug benutzt ist selber schuld!


"Wer nicht den Aufzug benutzt ist selber schuld!" Besser kann man in die ermattet und übersättigt scheinende Welt von Cosima von Bonin nicht eingeladen werden, die in ihrer brillanten Schau noch bis zum 3. Oktober im Kunsthaus Bregenz zu sehen ist.

In den ersten beiden Stockwerken wirkt alles seltsam unfertig. Ein kunstdefinierender Gitterverschlag, der nur von Schraubzwingen zusammengehalten wird, ein ausgeliehener Pick-Up neben reduzierten Nachbauten aus zusammengeklebter Pappe und stoffbetüteltem Holz, ein irgendwie leerer Arbeitsraum mit ästhetischen Spritzern an Wand und Boden. Vernähter Stoff mixt Muster und Motive aus Alpen, Afrika und Disneyland und wird zum modernen Bild, das uns die eigene Kulturlosigkeit vorwirft. Die in Kenia geborene Künstlerin transportiert Kulturschocks mit der westlichen Welt in abstrusen Übersetzungen in unser sattes Jetzt. Nutzlos wirkende zusammengenähte Fotografien hängen an Downtown-Wäscheleinen, Micky-Maus-Hände sprechen die Gebärdensprache der barbie-privilegierten Geburt - westliche Armut im Intellekt als Königreich für Buchstabenhungrige.

"The Fatigue Empire" - das erschöpfte, das ermüdete, das ermattete Reich. Ein halbes Dutzend träger Stofffiguren hängt im obersten Stockwerk des Zumthor-Gebäudes ab, stiert vor sich hin und scheint darauf zu warten, vom Publikum unterhalten zu werden. Ein fettes Kuschelküken hat sich erbrochen, ein dunkler Hase liegt wie tot aufgebahrt auf einem Tisch, ein weiteres Plüschtier trägt eine Augenklappe, einige Hummer machen verdienten Urlaub vom Meer.

"Wenn Sie hören möchten, was der purpurne Hase hört, verwenden Sie gerne diese Kopfhörer." Derartige Aufforderungen zeichnen ein Bild von unserer mit nichtsnutzigen Wahrnehmungen übersättigten Gesellschaft, die mit Kopfhörern ständig auf der Suche nach der nächsten Sensation ist, während der Soundtrack des Lebens an einem vorbeiwabert. Die akustische Mischwelt aus Fahrstuhl und Frisörsalon wird dabei eindringlich chillig von Moritz von Oswald unterlegt.

Die groteske Szenerie wirkt wie ein Schönheitssalon voller gelangweilter Prominenz unter medialer Beobachtung. Die Plüschwesen scheint das alles aber nicht wirklich zu interessieren, sie vermögen in bereitgestellte Mikrophone keine Kommentare zum Geschehen beizutragen. Wie passend, dass dann auch gleich darauf verzichtet wurde, die Mikros anzuschließen - es zählt eh nur das mediale Bild.

18.08.2010, Christian Hof [für Live-In, Ausgabe 09/2010]