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Foto: J├Ârg Schollenbruch
Foto: J├Ârg Schollenbruch


Das Leben in Barcodes


Ausstellung - Christian Hof zeigt ab heute seine ungewöhnlichen Werke in der Kunsthalle

"Ich komme aus der Informatik, und deshalb interessieren mich als Künstler vor allem Daten", sagt Christian Hof. Von heute bis Sonntag, 22. bis 24. August, präsentiert er in der Kunsthalle Kempten seine Ausstellung "Egobausteine 2004-2008". Dabei zeigt er nicht nur Bilder aus den letzten vier Jahren. Zur Eröffnung gibt es einen Vortrag, am Samstag ein Konzert und am Sonntag ein philosophisches Gespräch (siehe Info-Kasten). "Kunst ist Buchdruck der Emotion", sagt Hof, der hauptberuflich als Softwareentwickler arbeitet und passionierter Musiker und Künstler ist. Nur die Kunst könne Gefühle wirklich festhalten. Und dies will er in der Kunsthalle zeigen.

Künstlerisches Ausgangsmaterial sind für ihn nicht Farben, sondern Daten. "Ich will Alltagsprozesse darstellen, nicht malerisch gestalten, sondern mit Informationen arbeiten." Ein Barcode sage oft mehr aus als die DNA.

Kaufverhalten dokumentiert

Und so hat er in "Consumetric Collect" sein Kaufverhalten über einen bestimmten Zeitraum mittels eigens erstellter Barcodes dokumentiert und die Barcode-Bahnen in Bilderrahmen vertikal angeordnet. Dabei gibt es Leerstellen, etwa für eine Breze oder ein Abendessen. "Für die schönen Dinge im Leben gibt es eben oft keine Barcodes."

In seiner Kunst kehrt er teilweise radikal sein Inneres nach außen. Beispielsweise in den "Raumprotokollen": In den Umrisszeichnungen seiner Wohnung hat Hof schriftlich festgehalten, wo und wann er was machte. Auf den ersten Blick erscheint diese "Architektur des Alltags" (Hof) mathematisch, kühl und statisch. Man ist geneigt, die Werke als ästhetische Codes zu begreifen. Doch in der Nahsicht offenbaren sie eine andere Qualität: Der Betrachter kann Parallelen zu seinen eigenen Daten ziehen.

Der voyeuristische Blick

Auch in "Transportraits – offene Briefgeheimnisse" spielt Hof mit dem Voyeurismus. Ob Heizkostenabrechnung, Kfz-Reparaturrechnung, Stimmzettel für Bürgerbegehren, Wertpapierdepot oder die Ablehnung der Bewerbung für die Kunstausstellung der Allgäuer Festwoche 2007 (heuer ist Hof übrigens mit einem Werk vertreten) – der Kemptener hat persönliche Briefe auf transparente Folien kopiert, die wichtigsten Teile davon übereinandergelagert in gleichformatige Rahmen eingepasst. Neugierig macht auch das persönliche "Stichwortverzeichnis" oder seine persönlichen, grafisch aufgearbeiteten Hitlisten der letzten 25 Jahre.

Auf Allgäuer Wertstoffhöfen hat Hof ausrangierte Computer-Tastaturen gesammelt, auseinandergenommen und die Tasten in Reih und Glied in großformatige Rahmen montiert. Hier bietet er eine anders strukturierte und auf gewisse Weise auch ästhetische Sicht auf die Welt der Daten.

Abstrakt-poetisch muten zwei Fotoarbeiten ("Wenn das Gleichgewicht der Dinge abhanden kommt" und "Im Streben nach Glück an der Decke gelandet") an. Ebenso die Frottagen "Die Zeit verfliegt so leicht im Wind des Lebens", die vom Verschwinden oder besser vom Verblassen der Daten zu erzählen scheinen.

[22.08.08, Michael Dumler, AZ]